Brandenburger Zahnärzte fühlen sich verhöhnt

Angesichts teils massiver Honorareinbrüche durch ausgebliebene Patientenbehandlungen und wachsender Kosten für Hygiene und Praxisbetrieb ist eine wirtschaftliche Schieflage zahlreicher Zahnarztpraxen im Land Brandenburg zu befürchten. Doch anders, als es der Name vermuten lässt, handelt es sich bei der Schutzverordnung nicht um eine echte Hilfe in der Not, sondern um ein Darlehen an die KZV mit der Verpflichtung zur vollständigen Rückzahlung an die Krankenkassen in den beiden Folgejahren.

Als besonders enttäuschend betrachten die Zahnärzte die geringe Wertschätzung ihres Engagements. Während über Ärzte und Krankenhäuser ein staatlicher Rettungsschirm aufgespannt wurde, stehen die Zahnärzte nach wie vor ohne Hilfe da, obwohl keine Facharztgruppe den Patienten näherkommt, als das zahnmedizinische Behandlungsteam. Während Ärzten und Psychotherapeuten in dem „Gesetz zum Ausgleich finanzieller Belastungen in Gesundheitseinrichtungen infolge von COVID 19“ ein Schutzschirm in Form von nicht rückzahlbaren Ausgleichszahlungen zugebilligt wurde, hat die Politik den Zahnärzten bewusst - und politisch ausgedrückt gewollt - keinen Platz unter diesem Schutzschirm eingeräumt.

Nach dieser grundsätzlichen Ungleichbehandlung und Benachteiligung der Zahnärzte gab es den Versuch, den Zahnärzten dennoch finanzielle Unterstützung zu gewähren. Allerdings scheiterte dieser Versuch am Widerspruch des Finanzministers Olaf Scholz (SPD), der die Zahnärzteschaft und ihren nachhaltigen Fortbestand zur Versorgungssicherheit im Gesundheitswesen Deutschlands im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen offenbar nicht als schützenswert ansieht. Vergessen in der Krise, müssen die Zahnärzte aus eigener Kraft herausfinden. Die Brandenburger Zahnärzte folgen ihrer Verantwortung als selbstverwalteter Berufsstand, erwarten aber andererseits eine gesellschaftliche Anerkennung für die in der Krise erbrachten medizinischen Leistungen im Interesse der Versicherten. Einstimmig verabschiedete die Vertreterversammlung der KZV Land
Brandenburg deshalb die folgende Resolution:

„Weniger Staat – mehr Eigenverantwortung“
„Die Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor gewaltige Herausforderungen. Die Zahnheilkunde steht auf Grund des spezifischen Arbeitsfeldes mit im Fokus der Gefährdung durch COVID-19. Der Umgang von Bundes- und Landesministerien in der Krise mit unserem Berufsstand, der bundesweit rund 350.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt, lässt jedwede Wertschätzung vermissen. 

Weder die wirtschaftliche Lage der Praxen nach einem gewaltigen Umsatzeinbruch infolge der allgemeinen Verunsicherung, noch der dringende Bedarf an persönlichen Schutzausrüstungen in unserem Arbeitsfeld finden bei den von der Politik geplanten Maßnahmen Berücksichtigung. 

Dessen ungeachtet findet in unserem Sektor im Gegensatz zu anderen Fachgebieten weiter die volle Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Leistungen im erforderlichen Rahmen statt. Dafür gebührt allen Kolleginnen und Kollegen mit ihren Praxisteams unser aller Dank. Mit der COVID-19-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung vom 30.04.2020 wird uns ein
Schutzschirm angeboten, welcher den Namen nicht verdient. Die Vertreterversammlung der KZVLB verzichtet auf diese sogenannte Hilfe.

Wir werden als Berufsstand unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht und finden Wege, in Verhandlungen mit unseren Vertragspartnern in der GKV, die durch COVID-19 verursachten finanziellen Engpässe unserer Praxen eigenverantwortlich zu regulieren, ohne die ohnehin angespannten Ressourcen des Systems über diese Verordnung zusätzlich zu strapazieren.
Wir erwarten aber auch, dass unserer Arbeit für die Patienten die nötige Wertschätzung entgegengebracht wird. Insbesondere fordern wir:

  • eine Sicherung unserer betrieblichen Rücklagen und keine zusätzlichen Belastungen, wie einmalige Abgaben oder Vermögensabgaben
  • Berücksichtigung der stark gestiegenen Kosten und des Aufwandes für Hygienemaßnahmen und Schutzausrüstungen in der Vergütung
  • Abbau bürokratischer Belastungen ohne Nutzen für die Patientenversorgung, Schluss mit der Kultur des Misstrauens
  • Anerkennung unserer gesellschaftlichen Leistungen und Verantwortung für bundesweit rund 350.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • staatliche Sicherstellung von Maßnahmen für den Katastrophenschutz, wie Versorgung mit persönlichen Schutzausrüstungen für solche Krisen
  • Verzicht auf Budgetierungen und Rabattierungen zur Stärkung des Gesundheitssystems, nur wirtschaftlich unabhängige freiberufliche Praxen können eine Versorgung auf hohem Niveau sicherstellen
  • ein Bildungssystem, das den gestiegenen Anforderungen der Gesellschaft und damit auch unserem Beruf gerecht wird, welches aber auch von Respekt und Verantwortungsbewusstsein geprägt ist.
  • eine stärkere Anerkennung der Familie in unserem Staat, denn gerade in dieser Krise zeigte sich, dass die Familien in kürzester Zeit alle Aufgaben der Kinder- und Pflegebetreuung Angehöriger, der Schulbildung, der beruflichen Verpflichtung übernehmen mussten und dass in der Regel auch weitestgehend unentgeltlich getan haben“